Boca cerrada

"Zu Ehren Gottes und zum Wohle der Menschen."

Die afrokolumbianische Fischergemeinde Bocacerrada liegt im Departamento Sucre, an der Mündung eines Armes des Dique Kanals ins offene Meer.

Das Leben der Menschen in Bocacerrada findet überwiegend isoliert von den nächsten Gemeinden, Städten und dem Rest der Welt statt. Nur selten ergibt sich für die Einwohner mal die Möglichkeit die nächste Stadt zu erreichen – nach Bocacerrada gelangt man nämlich nur über den mehrstündigen Wasserweg.

Wenn das Wasser steigt...

Die 120 Familien Bocacerradas verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Fischfang in den Gewässern des Kanals. Sie leben mit dem Wasser, von dem Wasser und manchmal leben sie auch darin. Denn der Dique Kanal ist zwar die Lebensgrundlage des ganzen Dorfes, gleichzeitig aber auch die größte Bedrohung für die Bevölkerung.

Jedes Jahr zu den Regenzeiten steigen das Meer sowie das Ufer des friedlichen Flusses unaufhaltsam an, bis Straßen, Holzhütten und das Klassenzimmer der Schule knietief unter Wasser stehen. Der Klimawandel mit seinem Anstieg des Meeresspiegels und fatalen Wetterphänomenen wie „El Niño“ verschlimmert und beschleunigt diesen Prozess. Jedes Jahr, jede Regenzeit reichen die Flutungen weiter landeinwärts, überschwämmen auch die Fußböden der hintersten Häuser. Es gibt Familien, die ihr Haus jährlich zerstört vorfinden und gezwungen sind einige Meter weiter vom Ufer entfernt neu aufzubauen. Bis der nächste Regen kommt.

Dieser permanenten Problematik zu trotz haben die Menschen in Bocacerrada vielen etwas voraus. Sie wissen sich zu helfen und arbeiten daran, dass ihre Situation sich verbessert. Umsiedeln möchte das Dorf nicht. Ohne den Fischfang, die Mangroven und das Wasser des Dique Kanals sähen sie sich nicht nur ihrer Lebensgrundlage beraubt, sondern auch einem großen Teil ihrer Identität.

Eine Gruppe Frauen aus der Gemeinde hat sich zur Aufgabe gemacht, Bocacerrada zu einem lebenswerteren Ort zu machen. Der Überschwemmungsproblematik wirken sie entgegen indem sie das Dorf immer wieder ein bisschen anheben. Durch Müllsammelaktionen haben sie es beispielsweise bereits geschafft einen großen Teil der Plastikabfälle zu beseitigen, die die Straßen des Dorfes gefüllt haben.

Gesundheit

Diese Überschwemmungen und die Müllverschmutzung sind die Hauptverantwortlichen für die untragbaren hygienischen Verhältnisse, die eine Gefährdung der Gesundheit ganz Bocacerradas zu Folge haben.

Trotzdem herrscht, bei aller Motivation, Tatendrang und Einsatz nach wie vor große Armut. Und die abgeschiedene Lage des Dorfes macht es unheimlich schwierig daran etwas zu ändern. Besonders bemerkbar wird das im Bereich der Gesundheit.

Aus diesem Grund engagiert die Mutter Herlinde Moises Stiftung sich bereits seit Jahren vor allem in diesem Bereich. Durch regelmäßige Gesundheitsbrigaden, Aufklärungsarbeit und Kampagnen sowie die Zusammenarbeit mit Ärzteteams und Medizinstudenten versuchen wir gegen die gesundheitlichen Probleme der Dorfbewohner anzukämpfen. Mit unseren Besuchen zeigen wir außerdem unsere Unterstützung für die Dorfgemeinschaft.